Gespaltene Immobilienbranche

Zwei Mal jährlich veröffentlicht der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) ein Gutachten über den Immobilienmarkt in Deutschland.

Die aktuellen Ergebnisse wurden maßgeblich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflusst. Dabei zeigt sich die Branche gespalten: Während der Wohnungsmarkt weiter an Fahrt aufnimmt, haben die Gewerbeimmobilien deutliche Verluste erlitten.

Wohnungsmarkt von der Corona-Pandemie kaum beeinflusst

Trotz hoher Immobilienpreise und der Corona-Pandemie haben Investitionen in Wohnimmobilien im Jahr 2020 noch einmal zugenommen. Wohnungen gelten weiterhin als sichere Kapitalanlage und Investitionen werden durch niedrige Zinsen vergünstigt. Entgegen den Erwartungen fielen auch Mietrückstände in der Pandemie weniger stark aus als erwartet. Im Jahr 2020 dürften etwa 300.000 neue Wohneinheiten fertig gestellt worden sein, für das Jahr 2021 wird ein weiterer Anstieg erwartet. Auch die Kaufpreise für Immobilien sind im bundesweiten Durchschnitt um etwa 6,4% gestiegen.

Lediglich in den A-Städten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) steigen die Preise mit durchschnittlich 2,5% etwas weniger stark an. Diese Entwicklung ist vor allem auf das ohnehin sehr hohe Preisniveau zurückzuführen. Außerdem gilt vielerorts die Mietpreisbremse, die den Anstieg der Mieten in Gebieten mit knappem Wohnungsangebot eindämmen soll.

Gewerbe in kritischer Lage

Bei Gewerbeimmobilien sieht die Situation hingegen völlig anders aus: Aufgrund des Lockdowns und Ladenschließungen kam es vor allem im stationären Einzelhandel zu Mietausfällen. Lediglich Supermärkte profitierten von der Krise, weil sie durch geschlossene Restaurants hohe Umsatzgewinne zu verzeichnen hatten. Dieser Erfolg verschleiert die insgesamt kritische Situation der Nutzungsimmobilien.

Perspektivisch ist zudem ein Rückgang des Büroflächenbedarfs zu erwarten. Viele Unternehmen haben in der Pandemie auf Home-Office umgestellt und werden dies angesichts guter Erfahrungen zumindest teilweise auch künftig weiter fortführen.

Auch die Tourismusbranche ist von der Krise hart getroffen. Im Zuge des Lockdowns sind die Übernachtungszahlen in Deutschland um 90% gesunken. Folglich hielten sich Hotelinvestoren zurück, das Transaktionsvolumen sank um 60% von fünf auf zwei Milliarden Euro. 

Online-Handel beflügelt die Entwicklung von Logistikimmobilien

Während der stationäre Handel im vergangenen Jahr hohe Umsatzeinbußen zu verzeichnen hatte, geht der Onlinehandel und die damit verbundenen Logistikwirtschaft als Gewinner aus der Krise hervor. In diesem Zusammenhang ist das Transaktionsvolumen für Logistikimmobilien von 2019 auf 2020 um 2 Milliarden Euro gewachsen und auch die Mieten für Logistikflächen sind im vergangenen Jahr gestiegen.

Die Spaltung der Immobilienbranche wird sich voraussichtlich auch in diesem Jahr weiter fortsetzen. Mit dem Abflachen der Pandemie wird eine nachlassende Preisdynamik am Wohnungsmarkt erwartet. Die Entwicklung von Gewerbeimmobilien ist hingegen ungewiss und hängt maßgeblich von den Auswirkungen des Strukturwandels ab.

Dieser Artikel kann eine Rechtsberatung nicht ersetzen. Diese erhalten Sie bei einem Fachanwalt oder einem Vermieterverein.

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