(Energie-)Bedarfsausweis

Seit 2014 gilt in Deutschland eine Energieeinsparverordnung (EnEV), die bestimmte energetische Standards für Besitzer von Immobilien etablieren und den Energieverbrauch nachhaltig reduziert soll. Im Zuge dieser Verordnung wurde für bestimmte Immobilien ein Energieausweis verpflichtend. Dabei unterscheidet man zwischen einem sogenannten Energiebedarfsausweis und einem Energieverbrauchsausweis. Wir erklären Ihnen die Unterschiede zwischen den beiden Dokumenten, wozu Sie einen Energieausweis benötigen und wie Sie diesen erhalten. 

Wann brauche ich einen Energieausweis? 

Ein Energieausweis wird immer dann benötigt, wenn Sie eine Immobilie verkaufen oder vermieten möchten und muss beim Vertragsschluss vorgelegt werden. Für ein Bestandsgebäude, dessen Besitzer oder Mieter nicht wechselt, muss also (vorerst) nicht unbedingt ein Energieausweis angefertigt werden. Für Neubauten, die nach dem Jahr 2008 errichtet wurden, ist ein Energiebedarfsausweis verpflichtend.  

Der Energieausweis gibt Auskunft über den Energiebedarf einer Immobilie und ordnet diesen in Effizienzklassen (von A+ = niedriger Energiebedarf bis H = hoher Energiebedarf) ein.  

Schon bei einer Immobilienbesichtigung muss der Energieausweis (oder eine Kopie) vorgelegt werden und nach Vertragsabschluss an den Mieter oder Käufer übergeben werden. Mieter aus bestehenden Mietverträgen haben rückwirkend keinen Anspruch mehr auf einen Energieausweis. 

Energiebedarfsausweis vs. Energieverbrauchsausweis

Man unterscheidet zwischen zwei Formen von Energieausweisen: Dem Energiebedarfsausweis und einem Energieverbrauchsausweis. Welcher dieser Ausweise benötigt wird, ist vom Baujahr der jeweiligen Immobilie abhängig und ob diese der Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 gerecht wird. Mit dieser Verordnung traten die ersten Vorschriften für den energiesparenden Wärmeschutz von Gebäuden in Kraft.  

Ein Energieverbrauchsausweis richtet sich nach der tatsächlich verbrauchten Energie, die anhand von vergangenen Heizkostenabrechnungen erstellt wird. Dementsprechend kommt ein solcher Ausweis nicht für Neubauten in Frage. Da die Daten für einen Energieverbrauchsausweis relativ unkompliziert angegeben werden können, ist dieser wesentlich günstiger als ein Energiebedarfsausweis. 

Für Neubauten oder Altbauten, die nicht der Wärmeschutzverordnung gerecht werden, ist beim Verkauf/ Vermietung ein Energiebedarfsausweis vorzulegen. Dieser Ausweis gibt einen Überblick über das energetische Gesamtbild eines Gebäudes und enthält Empfehlungen für künftige Sanierungsmaßnahmen. Die Erstellung eines solchen Energiebedarfsausweises schlägt mit etwa 400 Euro deutlich mehr zu Buche als ein Energieverbrauchsausweis, ist aber auch wesentlich detaillierter und aufwendiger in der Anfertigung. 

In großen Gebäuden mit einer gewissen Mindestgröße muss der Energieausweis, wenn vorhanden, zudem öffentlich sichtbar platziert werden. Da die Energieeinsparverordnung nur dann greift, wenn Räumlichkeiten unter Energieverbrauch gekühlt oder geheizt werden, sind etwaige Keller-, oder Lagerräume von der Ausweispflicht befreit. Auch Kirchen, denkmalgeschützte Gebäude oder Ferienhäuser sind von der müssen keinen Energieausweis vorweisen.  

Einen genauen Überblick wann welcher Ausweis benötigt wird, gibt die folgende Tabelle:

Energieverbrauchsausweis Energiebedarfsausweis Aushangpflicht Keine Ausweispflicht  
Altbauten mit weniger als 5 Wohnungen, bei denen die Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 eingehalten wird. Altbauten mit weniger als 5 Wohnungen, bei denen die Wärmeschutzverordnung vom 11. August 1977 nicht eingehalten wird Behördlich genutzte Gebäude ab 250 m2 Nutzfläche mit starkem Publikumsverkehr  Wohngebäude mit Nutzungsdauer von weniger als 4 Monaten Denkmalgeschützte Gebäude Kirchen 
 Altbauten mit mindestens 5 Wohnungen Neubauten, Jahrgang 2008 oder neuer Gebäude mit mehr als 500mNutzfläche und starkem Publikumsverkehr (Hotels, Kaufhäuser etc.) Ferienhäuser und Ferienwohnungen Abrissgebäude 

Dieser Artikel kann eine Rechtsberatung nicht ersetzen. Diese erhalten Sie bei einem Fachanwalt oder einem Vermieterverein.

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